Im Rahmen der letzten Unterrichtseinheit zum Thema „Recht und Rechtsprechung" nutzten die Klassen des Jahrgangs 8 ihren Wandertag, um das Gelernte an einem besonderen Ort hautnah zu erleben: beim Bundessozialgericht in Kassel, der höchsten deutschen Instanz der Sozialgerichtsbarkeit.
Die gemeinsame Anreise erfolgte mit dem Zug. Schon beim Betreten des Geländes fiel das imposante Gebäude des Gerichts ins Auge, das bei vielen Schülerinnen und Schülern großen Eindruck hinterließ. Nach einem freundlichen Empfang ging es durch eine sehr genaue Sicherheitskontrolle. Diese sorgte für spürbaren Respekt und machte deutlich, welche Bedeutung und Verantwortung mit der Arbeit des Gerichts verbunden sind.
Anschließend begann eine rund zweistündige Führung durch das Gebäude. Die erste Station führte die Klassen in den Elisabeth-Selbert-Saal, einen der zentralen Gerichtssäle des Bundessozialgerichts. Elisabeth Selbert wurde in Kassel geboren und war eine der wichtigsten Juristinnen der deutschen Geschichte. Als Mitglied des Parlamentarischen Rates kämpfte sie mit großem Einsatz dafür, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz verankert wurde. Dieser heute selbstverständliche Grundsatz geht maßgeblich auf ihr Engagement zurück. Mit der Benennung des Saals erinnert das Bundessozialgericht an ihren Mut, ihre Beharrlichkeit und ihren bedeutenden Beitrag zur Gleichberechtigung.
Im Elisabeth-Selbert-Saal wurde es dann besonders spannend. In einem kurzen Rollenspiel durften einige Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle von Richterinnen und Richtern schlüpfen und auf der Richterbank Platz nehmen. Dabei entstand ein reger Austausch, bei dem viele Fragen gestellt wurden. Besonders großes Interesse weckte der Fall von Samuel Koch, der zuletzt am Bundessozialgericht verhandelt wurde und mehrfach zur Sprache kam.
Im weiteren Verlauf der Führung erfuhren die Klassen mehr über die Geschichte des Gebäudes und seine Architektur. Dabei wurde auch der Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus thematisiert. Die Bauweise sollte Besucherinnen und Besucher bewusst einschüchtern und klein wirken lassen – etwa an der Pforte – und machte deutlich, wie stark Architektur zur Machtausübung genutzt werden kann. Dieser historische Hintergrund regte sicher zum Nachdenken an.
Zum Abschluss versammelte sich die Gruppe noch einmal im Elisabet-Selbert-Saal. Nach dem Stellen letzter Fragen und einer Verabschiedung durch die sehr zuvorkommenden und kompetenten Mitarbeiter des Bundessozialgerichtes wurde die Rückreise nach Allendorf angetreten. Mit im Gepäck eines jeden Schülers oder Schülerin eine Fassung des Grundgesetzes, welche freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.
Mit dem Ankommen am Allendörfer Bahnhof endete der Wandertag, welcher einen Einblick in die Welt der Rechtssprechung bot und zeigte das Recht und Rechtssprechung nicht nur eine Rolle im Lehrplan hat, sondern den Alltag aller beeinflusst und Gesellschaft maßgeblich prägt.
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