Rhenanus-Schule   Bad Sooden-Allendorf

Zum Besuch in Krynica-Zdroj (Polen)

 

"Die Wirklichkeit ist doch völlig anders"
Polen 2017 1 "Freundschaft fließt aus vielen Quellen - am reinsten jedoch aus dem Respekt." (Daniel Defoe)

Gut 14 Stunden - von Mitternacht bis zum frühen Nachmittag - fahren die Schülerinnen und Schüler von Bad Sooden-Allendorf bis nach Krynica-Zdroj. Von Erschöpfung aber merkt man ihnen nach Sonnenaufgang kaum noch etwas an.

Die Eindrücke, die an den Fenstern vorüberfliegen, sind viel zu attraktiv: Heißt es mit Blick auf die vielen Rapsfelder zunächst noch, dass die Landschaft der in der nordhessischen Heimat sehr ähnele, kommt bei der Durchfahrt durch Krakau angesichts der vielen Parks im Zentrum der historischen Hauptstadt Polens Neugier auf: "Ob wir da wohl mal hineinkönnen?"

Und südlich von Krakau freut sich nicht nur Livia aus Eschwege über die vielen farbenfrohen und frischen Häuser mit den imposanten Gärten, die auf den Hügeln zu bewundern sind: "Und wieviel Platz zwischen den Häusern ist!", ergänzt Lea. Auch die kreative Architektur etlicher moderner Kirchen auf dem Weg verblüfft die Schüler.

"Paris-Przemysl" steht markanterweise auf dem Bus, der mit zwei Stunden Verspätung schließlich in Nowy Sacz ankommt, von wo aus die Gruppe privat und gut organisiert weiter nach Krynica chauffiert wird. "Teilweise ist es hier ja viel moderner als bei uns", finden Johanna und Lillian. "Und dabei ist alles so naturbelassen."

Aus dem Fenster des Jozef-Dietl-Gymnasiums begrüßen die deutsche und die polnische Fahne die Gäste ebenso wie ein charmant lächelndes vielköpfiges Empfangskomitee, das ihnen anschließend ein Mittagessen in der geschmackvoll eingerichteten Mensa serviert: Tomatensuppe und Pierogi, von denen Schüler wie Lehrer auch später noch schwärmen werden.

Am nächsten Morgen ist die ganze Gruppe wieder unterwegs samt der polnischen Partnerschüler. Noch einmal erlebt sie den Weg durch die gestern bewunderte Landschaft Malopolskas auf dem Weg nach Krakau. Tabea berichtet ihrer Gastschwester Hania, dass es hier ganz anders aussehe als erwartet. "Warum fährst du denn nach Polen?", sei sie vorher gefragt worden. Dort sei doch alles grau in grau. "In Wirklichkeit ist es hier doch vollkommen anders!", insistiert Tabea.

Noch verblüffender ist für alle Schülerinnen und Schüler die Freundlichkeit und Großzügigkeit der Gastfamilien. "Mich behandeln die Gasteltern so herzlich und liebevoll, als wäre ich ihre eigene Tochter", berichtet nicht nur Lioba: "Und mir hat die Familie sogar noch Geld für den Ausflug nach Krakau mitgegeben", ergänzt verdutzt eine Mitschülerin.

Ein Handy-Verbot für Schüler wäre auf dieser Fahrt schlicht unpassend. Dank ihrer elektronischen Wörterbücher auf den Mobiltelefonen klappt die Verständigung auch dort, wo die eigenen Sprachkenntnisse noch Lücken gelassen haben.

Das Programm in den folgenden Tagen ist äußerst abwechslungsreich:
Von der Wawel-Burg und dem Collegium Maius bis hin zu einem modernen Einkaufszentrum erleben die Schüler zunächst das Krakau der aristokratischen und akademischen Historie sowie das der merkantilen Gegenwart.
Dabei machen sie eine überraschende Erfahrung: Selbst wenn man aus Unachtsamkeit ein Smartphone in der Anonymität eines hochmodernen Shopping-Centers wie der "Galeria Krakowska" verliert, kann man es sogar noch nach Stunden unversehrt zurückerhalten, obwohl die Reise eigentlich längst weitergegangen ist.

Da kann man sich dann auch entspannt einer ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Führung durch das Salzbergwerk von Wieliczka hingeben. Die Schüler genießen den trockenen Humor, mit dem die Führerin sie durch die mitunter feuchten Höhlen führt und die Originalität, mittels derer sie ihnen etwa die Legende von der heiligen Kinga nahebringt.

Intellektuelle wie physische Herausforderungen bietet das Programm auch an den folgenden zwei Tagen auf dem Naturpfad entlang der Wanderwege von Labowa nach Hala Labowska, samt aufschlussreicher Informationen über Forellen- und Störzucht (und entsprechender Bewirtung!), über den Schutz gegen die Zudringlichkeiten von Fischottern, über Flora und Fauna der Region, über geglückte und weniger geglückte Anpflanzungen von Bäumen auf den Bergen.

Und die Gerüchte, in der Jugendherberge gäbe es keinen Strom, erweisen sich zum Glück für alle Freunde mobiler Kommunikation als immerhin teilweise übertrieben.

Auch den zweiten Teil des Aufstiegs zum Gipfel, die Wanderung von der Jugendherberge bis nach Jaworzyna Krynicka, meistern die jungen Leuten und genießen schließlich den majestätischen Ausblick von der mehr als 1000 Meter hohen Bergspitze - ebenso wie die Fahrt mit der Seilbahn ins Tal. Mit dem leichten Schweben in der Gondel werden sie für die Anstrengungen zweier Tage belohnt. - Das Derby "Polnisches Gebirgsgeröll vs. Wanderschuhe aus deutscher Wertarbeit" übrigens endete mit einem 2:0 für das Home Team.

Mucksmäuschenstill ist es am nächsten Morgen im Biologie-Unterricht des Jozef-Dietl-Gymnasiums, wenn die Lehrerinnen ganze Biologie-Kapitel vom Plasma-Monitor ablesen und übersetzen. Die hier erlebte Disziplin ist für deutsche Beobachter schlichtweg verblüffend - allerdings, wie die Lehrerinnen auf Befragen hervorheben, gebe es an der Schule auch ganz andere Klassen.

Intensive Vorarbeit zu diesem Unterricht haben einige polnische Schülerinnen geleistet, die für die Gäste zahlreiche Bezeichnungen zur Beschreibung von Flora und Fauna bereits in Polnisch und Deutsch recherchiert haben. Verbleibende Lücken lassen sich per Internetsuche und den jeweiligen Rückgriff auf die lateinischen Bezeichnungen schließen.

Wie variabel und flexibel auch in Polen Unterrichtsarbeit ist, wird anschließend im Fachraum für Englisch deutlich: Die Schülerinnen sitzen hier heute nicht in Reih und Glied, sondern im Kreis. Aber die Stühle verlassen sie auch schnell wieder, wenn Lehrerin Pani Anna ihnen mehrere große Papierbögen auf den Fußboden legt und sie dazu auffordert, in Gruppen Wortschlangen mit englischen Begriffen aus dem Bereich "Environment" (Umwelt) zu bilden. Voller Elan stürzen die deutschen und polnischen Jugendlichen sich auf den Fußboden und in diese spielerische Übung, korrigieren und unterstützen einander.
Weitere kreative und kooperative Aufgaben dieses Stils folgen und das Vergnügen der Jugendlichen ist mit Händen zu greifen.

Noch ausgelassener wird die Stimmung nach dem Mittagessen, wenn die Schülerinnen und Schüler zum Basketballtraining in die Turnhalle kommen.
"So viel Spaß wie heute hat mir Sport noch nie gemacht", berichtet Leon aus Eschwege, der sich eigentlich vor der Stunde hatte drücken wollte, weil er sich nicht für sportlich hält und sich oft blamiert fühlt, wenn sein Team haushoch verliert. Bei Pan Stanislaw jedoch gewinnt das Spiel zwischen den Mannschaften an Dynamik: Wann immer ein Korb geworfen wird, werden die Teams gewechselt.
So kommt es gar nicht erst zu frustrierenden Resultaten.
Die Basketball-Regeln werden dabei heute sehr liberal - fast könnte man sagen: anarchistisch - gehandhabt. Aber Hauptsache, alle haben ihren Spaß.

Am vorletzten Tag lernen die Schüler viel über den größten Reichtum dieser Region - das Mineralwasser. Bei einem Ausflug nach Tylicz können sie sich sogar eisenhaltiges Wasser aus der Quelle zapfen, um es den Eltern mitzubringen.

Als Höhepunkt des Besuchs wird im Stadtpark von Krynica ein Baum der Freundschaft gepflanzt. Gut beschildert, erhält die Rotbuche einen prominenten Platz im Park. Mögen weiter viele Zweige aus ihr wachsen!

Als die Deutschen am Abschiedstag von ihren Gastgebern nicht allein mit Präsenten, sondern auch noch aus einem wahren Füllhorn von Lebensmitteln für die lange Heimfahrt überschüttet werden, lächelt Tabea ihre Gastschwester an und sagt: "Weißt du, Hania, wenn du nächstes Jahr zu uns kommst, wirst du, fürchte ich, verhungern. Da können wir einfach nicht mithalten!"

Rektorin Pani Agata lässt es sich nicht nehmen, die Gäste ebenfalls zu verabschieden - und rüffelt ihre eigenen Schüler dafür, dass sie mit den deutschen Partnern zu wenig Deutsch und zu viel Englisch gesprochen hätten - ein Vergehen, das die Englischlehrer der beteiligten Schulen sicher weniger rigoros sehen.

Dies war bereits der 14. Besuch im Rahmen des Austauschprogramms zwischen dem Jozef-Dietl-Gymnasium in Krynica-Zroj und der Anne-Frank-Schule in Eschwege (organisiert durch Frau Teresa Grewe) sowie der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf (vertreten von Herrn Jörg Tiedemann), auch diesmal gefördert vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk.

Kreiert und durchgeführt wurde dieses Projekt auf der polnischen Seite von Frau Izabela Micek, die mit Charme und Entschlossenheit, mit organisatorischem Geschick und pädagogischem Herzblut dafür gesorgt hat, dass die deutschen Gäste diese liebevollen Begegnungen erleben durften und daheim darüber berichten werden.


jt

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