Rhenanus-Schule   Bad Sooden-Allendorf

Die Geheimnisse der Ostersonne: Vom Ostercamp 2018

Ostercamp 2018„Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anderes Licht“, schrieb einst der evangelische Theologe Friedrich von Bodelschwingh.
Auch die Rätsel der Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch erhalten ein anderes Gesicht, wenn sie – wie an der Rhenanus-Schule in jedem Jahr in den Osterferien – gezielt, strukturiert und dabei in kreativer Atmosphäre wiederholt werden, jeweils rechtzeitig vor den Abschlussprüfungen der Haupt- und Realschulzweige.
Sieben Lehrerinnen und Lehrer kümmerten sich in diesem Jahr um mehrere Dutzend Schüler/innen aus den Jahrgängen 8-10 sowie um die Gruppen der Flüchtlingskinder, von denen einige bereits zum dritten Mal am Ostercamp teilnahmen.
Wiederholt wurden Mathematik-Probleme von der Umwandlung von Brüchen bis hin zu quadratischen Gleichungen und zum rechtwinkligen Koordinatensystem, aber auch die Geheimnisse der englischen Grammatik und die der deutschen Textanalyse.
Die Lektüren der Schüler/innen vor allem der Flüchtlingsgruppe dokumentieren, wie groß der Lernfortschritt gerade im Bereich „Lesen“ ist: Während im vergangenen Jahr noch Uwe Timms Roman „Rennschwein Rudi Rüssel“ die Kinder zum Lachen brachte, befassten sie sich in diesem Jahr mit Auszügen aus Charlotte Kerners „Geboren 1999“:
In einer Inhaltsangabe zu diesem Werk heißt es:

„Karl Meiberg, geboren 1999, wird als Baby adoptiert. 17 Jahre später begibt er sich auf die Suche nach seinen genetischen Eltern. Sie führt ihn in die Welt der Samenspender, Ei-Lieferantinnen, Leihmütter und Retortenbabys. Karl selbst ist ein so genanntes Retortenbaby. Er muss am Ende mit der Tatsache fertig werden, dass seine Mutter eine leblose Gebärmaschine war. Nach dieser Entdeckung verschwindet Karl. Die Journalistin Franziska Dehmel macht seinen „Fall“ zu einem Bericht für eine Zeitung und hofft, dass Karl den Artikel liest und er wieder zurückkommt.“

Lehrerin Franziska Meister machte die Erfahrung, dass der Roman „viele Gesprächsanlässe für die Jugendlichen bietet“. Sie begaben sich als „Schatten“ mit Karl ins Bürgerzentrum und verfassten Berichte über seine Erlebnisse im Behördendschungel, in denen er geheimnisvolle Dinge erlebte.
Gelesen wurde auch die Kurzgeschichte „Marli und Thieß“ von Irmela Brender, die das Thema der Gerechtigkeit in den Fokus stellt und mit einer deprimierenden Erfahrung beginnt: „

In der fünften Klasse habe ich entschieden, dass die Gerechtigkeit ein zu großes Problem für mich ist. Damals saß ich neben einer gewissen Ingrid, die von mir die Englischarbeit abschrieb, aber ohne die Fehler – es waren sowieso nur zwei Leichtsinnsfehler. Trotzdem bekam ich eine Fünf, wegen Abschreibens, wie rot unterstrichen im Heft stand. Und Ingrid hatte eine Eins. Als ich das sah, wartete ich voller Zuversicht darauf, dass sich der Bretterboden im Klassenzimmer öffnete und Ingrid mitsamt der Lehrerin verschlänge. Bis zum Ende des Unterrichts rechnete ich immerhin mit einem Gewitter samt rächendem Blitzschlag, so groß war mein Glaube an die Gerechtigkeit. Aber als nichts geschah, auch am nächsten und übernächsten Tag nicht, da gab ich es auf. Gerechtigkeit war offenbar ein Wort wie, sagen wir mal: Dinosaurier. Es stand für etwas, was es einmal gegeben hatte, aber nicht mehr gab. Es hatte keinen Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.“

Sinn machte es für die Schüler/innen aber ganz offenbar auch, sich den Kopf über Scrabble-Kombinationen zu zerbrechen: Wie ihre Lehrerin betont, „wuchsen sie über ihre sprachlichen Fähigkeiten hinaus und legten Wörter an, die mich absolut ‚baff‘ machten“.
Spannung und Mitgefühl erzeugte schließlich noch die Geschichte eines Findelkindes, das vor einem indischen SOS-Kinderdorf abgelegt wurde. Der SPIEGEL berichtete darüber in einer Reportage, die ebenfalls im Ostercamp gelesen wurde:

„Es ist früher Morgen, als bei der Polizei im Chennai (Indien) das Telefon klingelt: Jemand hat ein Kind gefunden, abgelegt vor seiner Haustür, ein kleines Mädchen, noch keine Woche alt. Die Polizei forscht nach, aber es ist unmöglich herauszufinden, woher das Mädchen kommt. Die Beamten wenden sich deshalb an das SOS-Kinderdorf in Chennai. "Manchmal kommen Mütter hierher und bitten uns, ihre Kinder aufzunehmen", erzählt Nambi Varatharajan, Leiter des Kinderdorfs. ‚Solche Anfragen lehnen wir aber ab, denn wir sind der Meinung, dass der beste Platz für ein Kind immer bei seiner biologischen Mutter ist.‘“ (Veronika Widmann: „Vom Findelkind zum Überflieger“, Spiegel.de)

Für die Jugendlichen – so berichtet Lehrerin Franziska Meister - war es spannend, Maria, die als Findelkind von ihrer neuen Mutter Grace in einem SOS-Kinderdorf aufgenommen wurde, zu begleiten - und den Blick in zwei ganz unterschiedliche Welten zu wagen.

Wie in jedem Jahr wurden Schüler/innen und Lehrer/innen des Ostercamps liebevoll umsorgt vom Cafeteria-Team der Schule: Frau Schweinberger und Herrn Wendland trugen mit Frühstück und Mittagessen zur ganzheitlichen Atmosphäre des Ostercamps bei. Gelobt wurden auch die kreativen Übungen der Lehrer/innen – und dass sie auf jedes Problem individuell eingingen.

Und wie in jedem Jahr wurde zur Erinnerung auch diesmal ein Graffito an einer Wand im Korridor hinterlassen: ein Worträtsel, das sich gewiss nicht nur im Licht der Ostertage lösen lässt.

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