Rhenanus-Schule   Bad Sooden-Allendorf

„Erst stirbt der Geist und dann der Körper“

Februar 2018
Stadt liest Buch 1Andrea Umbach vom Verein Hospiz- und Demenzbetreuung besucht den Biologieunterricht der Rhenanus-Schule im Rahmen des Projekts „Eine Stadt liest ein Buch“

„Demenz ist nicht heilbar – und sie führt zum Tod. Darauf muss man sich einfach einstellen. “ Die Referentin kommt ohne Umschweife auf den Punkt. Kürzlich hatten sich die Schüler/innen der Klasse G9b mit den biologischen Ursachen dieser Gehirnerkrankung befasst.>Nun sollen sie von Frau Umbach erfahren, worauf Angehörige und Betreuer von Erkrankten im Alltag achten müssen – und welche Unterstützung sie erhalten können.
Frau Umbach ist Koordinatorin des Vereins Hospiz- und Demenzbetreuung in Bad Sooden-Allendorf. Mit seinen 46 ehrenamtlichen Mitarbeitern leistet dieses Team Unschätzbares: Psychosoziale Hilfe und Entlastung für die Angehörigen, die sich immer mal wieder einige Stunden „Auszeit“ von der Rundumbetreuung gönnen können, die sie einem dementen Familienmitglied widmen müssen.
Der Verein informiert über die Patientenverfügung, geht in die Kliniken und Seniorenheime und zeigt den Angehörigen, wie sie möglicherweise das Fortschreiten der Krankheit etwa mit Hilfe von Gesprächen, Vorlesen oder auch von Gedächtnistraining verlangsamen können. Und heute rücken mit den Schüler/innen von Frau Hentschel und Frau Funk auch einmal ganz junge Leute in den Fokus der Aufklärungsarbeit der Organisation.
Zwei Schülerinnen der Klasse haben selbst bereits z.T. bedrückende Erfahrungen mit Demenzerkrankungen in der Familie machen müssen – in unterschiedlichen Stadien.
Auch an sie richten sich die Ratschläge von Frau Umbach:
Wenn Demenzpatienten sich weitgehend zurückziehen, womöglich gar aggressiv reagieren, dann sei dies reiner Selbstschutz. Auf keinen Fall solle man sie auf ihre zunehmenden Defizite ansprechen. Diese seien den Kranken allzu schmerzlich selbst bewusst. Allemal besser sei es, diese Menschen schlicht so zu nehmen, wie sie sind – und sich im Umgang mit ihnen auf das zu konzentrieren, was sie noch beherrschen.
Die Krankheit mache Angst, weil der Betroffene seine Selbstständigkeit und seine Persönlichkeit fortschreitend und unwiederbringlich verliere. Zwar liege die Prognose bei bis zu zehn Jahren. Das Ende könne jedoch auch sehr schnell kommen: Patienten, die man gerade noch als kaum auffällig erlebt habe, könnten bereits wenige Monate später verstorben sein.

In Deutschland gebe es 1,5 Millionen Demenzkranke, weltweit seien es etwa 45 Millionen. Dabei gelte: Je älter eine Bevölkerung werde, desto mehr Patienten gebe es. In der Altersgruppe der 80-Jährigen seien bereits 20 Prozent dement.
Angehörige sollten stets daran denken:
Das Kurzzeitgedächtnis von Demenzkranken könne bei ganzen zwanzig Sekunden liegen, was Absprachen für einen Zeitraum von beispielsweise einer halben Stunde völlig sinnlos mache.
Wichtig sei es, ihnen nicht mehrere Anweisungen in einem Satz zu geben, sondern dabei nur äußerst kleinschrittig vorzugehen. Dies koste natürlich immer wieder Zeit und Nerven.
Wenn Angehörige nicht mehr erkannt würden, so liege dies daran, dass die Patienten subjektiv bereits in ein jüngeres Lebensalter zurückgekehrt seien und 85-Jährige sich womöglich als 17-Jährige wahrnehmen. Familienmitglieder, die zu diesem Zeitpunkt ihrer Biographie noch nicht gelebt hätten, würden dementsprechend für sie schlicht nicht existieren.

Ab und zu solle der Betreuer durchaus einmal schreien vor Verzweiflung, aber natürlich nie in Gegenwart des Betroffenen.
Denn auch bei fortgeschrittener Krankheit sei die Gefühlsebene der Dementen immer noch sehr stark entfaltet. Sie merkten es durchaus, wenn sie veralbert würden und litten massiv darunter. Von daher sollten die Angehörigen ihre Emotionen unbedingt unter Kontrolle halten.

Hören könnten die Patienten dabei in der Regel immer noch sehr gut. Stadt liest Buch 2Der Gehörsinn gehe sogar erst als letztes verloren. Gespräche über den Erkrankten sollten daher in seiner Anwesenheit auf keinen Fall so geführt werden, als wenn er gar nicht dabei wäre.

Bettlägerigen Patienten sollte man es ersparen, stets nur an eine weiße Zimmerdecke zu blicken. Experimente hätten gezeigt, dass dies selbst nach nur 20 Minuten zu einer Überempfindlichkeit führe. Geräusche und Berührungen würden vom Betroffenen als quälend laut bzw. schmerzhaft wahrgenommen.
Im fortgeschrittenen Stadium werde der Befehl, die Beine zu heben, vom Gehirn nicht mehr weitergeben. Drücke man den Patienten zum Essen einen Löffel in die Hand, wüssten sie schlicht nicht mehr, was sie damit anstellen sollten.
Am Ende stünden Schluck- und obendrein Atemstörungen, die schließlich den Tod durch Ersticken zur Folge hätten. Die Menschen verlernten schlicht das Atmen.

In der anschließenden Gruppenarbeit und Diskussion zeigten die Schüler/innen, wie intensiv sie sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Frau Umbach demonstrierte ihnen dabei auch, wie man behutsam Anzeichen von Demenz ermitteln könne, ohne die Betroffenen zu verunsichern.
Gleichzeitig warnte sie davor, einer ersten Diagnose blind zu vertrauen. Patienten, die einmal in das Raster „Demenz“ fielen, würden sich schwerlich davon befreien können. Von daher sollte eine zweite Meinung eingeholt werden. Gründlich überprüft werden sollten Organe wie Herz, Niere und die Schilddrüse – und manchmal helfe es auch schon, ein bestimmtes Medikament zu ersetzen.

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